Ein Dorf, ein Dach, zwei Tage: die Selbstbauanlage Wila steht

Es gibt Projekte, bei denen man nach der Hälfte anfängt, den Zeitplan neu zu rechnen. Und es gibt Projekte, bei denen man am Ende auf die Uhr schaut und sich fragt, ob man etwas übersehen hat.

Der PV-Selbstbau auf dem alten Schützenhaus Wila war die zweite Sorte. Am Freitag, 11., und Samstag, 12. September haben Freiwillige aus dem Dorf eine Photovoltaikanlage montiert, verkabelt und ans Netz gebracht. 30 kWp Leistung. 130 Quadratmeter Modulfläche. 60 Module auf vier Strings. Zwei Tage.

Und dazwischen eine Ziegelreihe, über die noch lange geredet werden wird.

Wozu der ganze Aufwand?

Kurz zur Einordnung, für alle, die neu dazustossen: Die Anlage ist das erste sichtbare Resultat des Projekts «Wila-Strom». Eingeladen haben der Gemeinderat Wila und die Arbeitsgruppe. Die Idee dahinter ist einfach und trotzdem nicht selbstverständlich.

Selbstbau heisst nicht, dass am falschen Ort gespart wird. Die Elektroarbeiten und der Netzanschluss bleiben bei den Fachleuten, wo sie hingehören. Was die Gruppe übernimmt, ist die Montage, und genau dieser Teil macht einen erheblichen Anteil der Kosten aus.

Der zweite Effekt ist fast noch wichtiger: Es bleibt Wissen im Dorf. Wer einmal mitgebaut hat, kann beim nächsten Mal anleiten. So wächst eine Gruppe von Leuten, die sich mit Solarstrom auskennen, und die Hemmschwelle für die eigene Anlage sinkt spürbar. Ein Projekt von Wilemern für Wila.

Angeleitet wurde die Truppe von Daniel Angehrn von Solarigs.

Freitag: der Tag der Ziegelreihe

Am Freitag ging es aufs Dach, und was alle gefreut hat, war nicht das Tempo, sondern die Stimmung. Unsere freiwilligen Solateurinnen und Solateure haben mit einer Begeisterung angepackt, die man sonst eher am ersten Ferientag sieht. Kein Murren, stattdessen Leute, die um Module anstehen wie andere um Bratwürste.

Am Abend hätte die Montage beinahe schon fertig sein können.

Beinahe!

Es gibt bei jedem Bauprojekt diesen einen Augenblick, in dem eine Person kurz innehält, nochmals hinschaut, den Kopf leicht schief legt und dann sehr ruhig etwas sagt. Bei uns lautete der Befund: Auf einem Viertel des Daches sassen die Haken für die Schienen eine Ziegelreihe zu tief.

Eine einzige Reihe. Ein paar Zentimeter. Nichts, worüber ein Ziegel sich aufregen würde. Aber Schienen sind in dieser Hinsicht kompromisslos, und so musste ein Viertel des Daches nochmals fast komplett abgedeckt werden. Rückwärts. Ziegel für Ziegel. Genau das, was man den ganzen Vormittag mit viel Freude in die andere Richtung gemacht hatte.

Aber es gab keine Vorwürfe, keine langen Gesichter, keine Suche nach dem Schuldigen. Es gab Gelächter, ein paar trockene Bemerkungen, dann haben alle wieder angepackt. Nach zwei Stunden war die Sache erledigt, die Haken sassen dort, wo sie hingehören, und das Dach sah aus, als wäre nie etwas gewesen.

Wer schon einmal erlebt hat, wie so etwas auf einer Baustelle auch ablaufen kann, weiss, wie bemerkenswert das ist. Vielleicht ist genau das der Unterschied, wenn Leute aus dem Dorf für ihr eigenes Dorf bauen. Man kann schlecht auf jemanden schimpfen, der einem am Abend das Bier reicht.

Und das tat er dann auch: Der Freitag endete vor dem Schützenhaus mit Wurst, Bier und einer fröhlichen Runde. Gelacht wurde viel. Über den Tag, über die Ziegelreihe, über die eigenen Muskeln, die sich langsam meldeten.

Samstag: schneller als alle gedacht haben

Nach so einem Freitag durfte man für den Samstag mit allem rechnen. Mit Regen. Mit fehlendem Material. Mit einem weiteren Haken, der sich eine Ziegelreihe nach unten verirrt.

Nichts davon ist passiert. Die Anlage ging bereits am frühen Nachmittag ans Netz.

Der Moment, als die ersten Kilowatt flossen, hatte etwas leicht Ungläubiges. Man schaut auf den Wechselrichter, dann auf die Uhr, dann nochmals auf den Wechselrichter. Selbst Daniel Angehrn, der so etwas beruflich macht und entsprechend schwer zu beeindrucken ist, war überrascht, wie schnell das Dach fertig wurde.

Die Zahlen nochmals, weil sie sich gut lesen: 60 Module, vier Strings, 130 Quadratmeter, 30 kWp. Alles innerhalb von zwei Tagen montiert, verkabelt und funktionsfähig am Netz. 130 Quadratmeter, das ist eine grosszügige Vierzimmerwohnung. Nur eben schräg, in einigen Metern Höhe und zusammengebaut von Freiwilligen, die 48 Stunden vorher zum Teil noch nie ein Solarmodul in der Hand hatten.

Die kleinste Montagemannschaft

Während oben die Module wanderten, lief unten der zweite Teil des Programms. Am Basteltisch wurden Solarautos gebaut, und gross und klein malte Solarbilder aus. Ich habe selten so konzentrierte Gesichter gesehen wie bei der Frage, warum das Auto im Schatten stehen bleibt und in der Sonne losfährt.

Ehrlich gesagt: Das ist die beste Erklärung von Photovoltaik, die es gibt. Man kann Wirkungsgrade und Einspeisetarife erklären, so lange man will. Ein Auto, das losfährt, sobald die Sonne draufscheint, versteht jedes Kind in drei Sekunden. Und einige Erwachsene haben am Basteltisch deutlich länger verweilt als geplant.

Den ganzen Tag erklärten Mike Lattmann und ich die Fragen zu Photovoltaik, Batteriespeicher und Balkonkraftwerken. Und Fragen gab es reichlich, was mich gefreut hat: Das Interesse im Dorf ist grösser, als man von aussen vermuten würde.

Die Huusmusig Meile

Am Abend wurde gefeiert, und für die musikalische Begleitung sorgte die Huusmusig Meile: Vater, Mutter und ihre drei Kinder.

Das passt so gut zu diesem Wochenende, dass man es fast erfinden müsste. Zwei Tage lang haben Leute aus dem Dorf etwas gemeinsam gebaut, das keiner von ihnen alleine hingestellt hätte. Und am Abend steht eine Familie vorne und macht genau dasselbe mit Musik. Fünf Personen, ein Ergebnis, das mehr ist als die Summe der Teile.

Es war ein schöner, unaufgeregter, warmer Abend. Genau der richtige Abschluss.

Was jetzt auf dem Dach liegt

Auf dem alten Schützenhaus liegt nun eine Anlage, die nicht von einer Firma hingestellt wurde, sondern vom Dorf gebaut worden ist. Jede Person, die dabei war, kann in Zukunft daran vorbeigehen, auf eine bestimmte Reihe zeigen und sagen: die da.

Genau das ist der Unterschied zwischen einer Anlage und einem Projekt.

Danke an Daniel Angehrn für die Anleitung, die Geduld und die Ruhe. Danke an alle Freiwilligen, die zwei Tage ihres Wochenendes auf einem Ziegeldach verbracht haben. Danke an alle, die unten für Verpflegung und Festwirtschaft gesorgt haben, an die Huusmusig Meile für den Abend und an die Nachwuchs-Solateure am Basteltisch, die den Rest von uns daran erinnert haben, warum die Sache Freude macht.

Wenn Sie sehen möchten, was so eine Anlage im Alltag produziert: Die Werte unserer Anlage auf dem Dach der Villa Wellentanz sind hier jederzeit einsehbar.


Aktuelle Produktion

Aktueller Stromfluss

PV-Produktion aktuell0,0 WVon unserer Solaranlage
Verbrauch aktuell101,9 WUnser Stromverbrauch
Netzbezug101,9 WWir beziehen Strom von der EKZ.

Unsere Solarproduktion

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Gesamtproduktion2.595,55 kWhInsgesamt erzeugte Energie

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