Ein Mini-PC wird Videoplayer: Der NDI-Player der Villa Wellentanz
In der Villa Wellentanz läuft vor jedem Konzert ein Pausenfilm: Programmhinweise, Impressionen, ein bisschen Vorfreude auf der Leinwand, bis das Licht ausgeht. Bisher brauchte das jedes Mal einen Rechner, ein Abspielprogramm und jemanden, der daran denkt. Ich wollte etwas anderes: ein Gerät im Technikschrank, das man einschaltet und vergisst. Strom rein, zwei Minuten warten, der Film läuft. Gesteuert wird vom iPad aus – oder gar nicht.
Genau das steht jetzt in der Villa. Ein Mini-PC von der Grösse einer Buchausgabe spielt MP4-Dateien ab und schickt sie als NDI-Strom ins Hausnetz, wo Beamer, Bildregie oder Streaming-Software sie abholen. Kein Monitor, keine Tastatur, kein Login. Nach einem Stromausfall fährt er selbständig hoch und spielt seinen Standardclip, als wäre nichts gewesen.
Was der Player kann
Die Bedienung läuft komplett im Browser. Auf dem iPad erscheinen die Videos als Kacheln mit Vorschaubild und Laufzeit: antippen, PLAY, fertig. Dazu kommen die Dinge, die man im Veranstaltungsalltag wirklich braucht: eine Endlosschleife für den Pausenfilm, eine Tally-Anzeige (ON AIR, Pause, Ende), Lautstärke und Stummschaltung, Upload neuer Videos direkt vom Tablet. Ein laufender Clip lässt sich nicht versehentlich löschen.

Für die Regie gibt es eine simple HTTP-Schnittstelle. Jede Funktion ist ein Webaufruf – damit lässt sich der Player von Bitfocus Companion, einem Stream Deck oder jedem anderen System fernsteuern. Eine Universaltaste genügt fürs Wesentliche: läuft ein Clip, pausiert sie ihn; ist er pausiert, spielt sie weiter; ist er zu Ende, startet sie ihn neu.
Wie er gebaut ist
Die Hardware ist bewusst bescheiden: ein AWOW AK10 Mini-PC mit Intel-N95-Prozessor, 16 GB Arbeitsspeicher und 512 GB SSD, für rund 250 Franken. Er verbraucht wenige Watt, hat keinen hörbaren Lüfter und langweilt sich bei der Arbeit – die Auslastung liegt im einstelligen Prozentbereich.
Als Abspielmotor arbeitet OBS Studio mit dem DistroAV-Plugin für den NDI-Ausgang. Diese Kombination wird von einer riesigen Streaming-Gemeinde täglich im Ernstfall benutzt und liefert entsprechend zuverlässig Bild und Ton. Darüber liegt eine selbst geschriebene Steuerungsschicht in PHP: Sie spricht über die WebSocket-Schnittstelle mit OBS, liefert die Weboberfläche aus, erzeugt mit ffmpeg die Vorschaubilder und stellt die HTTP-Schnittstelle bereit. Windows ist auf Appliance-Betrieb getrimmt: lokales Konto ohne Passwort, Autostart, und im BIOS die Einstellung, nach einem Stromausfall selbständig wieder hochzufahren.
Welche Probleme gab es
Der erste Anlauf lief nicht über OBS, sondern über CasparCG, einen Playout-Server aus der Broadcast-Welt. Ein beeindruckendes Werkzeug – aber sein NDI-Ausgang erwies sich in meinem Aufbau als Quelle hartnäckiger Tonaussetzer, je nach Version kam ein Speicherleck dazu. Nach etlichen Diagnoserunden mit Pegelmessungen, Treiber-Updates und Konfigurationsvarianten habe ich den Motor getauscht: gleiche Weboberfläche, gleiche Schnittstelle, darunter OBS statt CasparCG. Der Ton stand auf Anhieb.
Zwei Stolperfallen verdienen eine Warnung, weil sie jeden Nachbau betreffen. Erstens: Windows legt ein Gerät ab Werk nach 15 Minuten in den Standby – für einen Player, den im Betrieb niemand berührt, ist das eine Zeitbombe. Zweitens: Windows startet Programme standardmässig im GPU-Energiesparmodus; für flüssige Videoausgabe gehören Energiemodus und Grafikeinstellung auf Leistung. Beides steht in der Anleitung im Detail.
Nachbau: Einkaufsliste und Anleitung

Wer den Player nachbauen will, braucht einen Nachmittag und etwa 250 Franken:
- AWOW AK10 Mini-PC (Intel N95, 16 GB RAM, 512 GB SSD, Windows 11), z. B. bei Amazon – vergleichbare Intel-Mini-PCs funktionieren ebenso
- Netzwerkkabel zum Router oder Switch (NDI braucht Gigabit, WLAN reicht nicht)
- Monitor und Tastatur nur für die Einrichtung, danach nie wieder
Der Ablauf in Kurzform – die Schritt-für-Schritt-Anleitung liegt als ANLEITUNG.md im Download-Paket:
- Windows vorbereiten: BIOS auf „Power On after AC Loss“, lokales Konto ohne Passwort, Updates und Intel-Grafiktreiber, Energiemodus auf Leistung, Standby auf „Nie“
- Setup-Paket entpacken und
INSTALLATION-STARTEN.batdoppelklicken – installiert PHP, Websteuerung, Skripte und ffmpeg automatisch - OBS Studio, DistroAV und NDI Tools installieren und nach Anleitung einrichten (zehn Minuten Klickarbeit, die exakten Namen stehen in der Anleitung)
- Firewall-Skript ausführen, Videos in den media-Ordner legen,
PLAYER-STARTEN.bat– und im Browser abspielen - Autostart aktivieren und die Generalprobe machen: Stecker ziehen, einstecken, zuschauen
Das komplette Paket mit Websteuerung, allen Skripten und der Anleitung gibt es hier zum Herunterladen:
Download: villa-player-komplett.zip
Die Weboberfläche und die Steuerungsschicht sind in diesem Projekt entstanden und dürfen gerne weiterverwendet und angepasst werden. OBS Studio, DistroAV, PHP und ffmpeg sind freie Software der jeweiligen Projekte.
Fragen zum Nachbau beantworte ich gerne in den Kommentaren.