Sonne gleich, Gutschrift minus 73 Prozent: meine EKZ-Abrechnung im Jahresvergleich

Ende Juli kam die Quartalsabrechnung der EKZ für April bis Juni 2026. Für ein Haus mit Solaranlage auf dem Dach ist das eigentlich das schönste Quartal: viel Sonne, wenig Verbrauch, eine ordentliche Gutschrift. Dieses Jahr war die Freude gedämpft. Ich habe die Rechnung neben die vom gleichen Quartal 2025 gelegt und Zeile für Zeile verglichen.

Die nackten Zahlen

April bis Juni20252026Veränderung
Eingespeiste Energie6’419 kWh6’057 kWh-6 %
Vergütung pro kWh12,6 / 11,6 Rp. (HT/NT)6,0 Rp.rund -51 %
Vergütung totalCHF 790.19CHF 363.42-54 %
Bezogene Energie563 kWh808 kWh+43 %
Kosten Bezug inkl. MWSTCHF 178.83CHF 197.91+11 %
Gutschrift nettoCHF 611.40CHF 165.55-73 %

Die Anlage hat praktisch gleich viel ins Netz geliefert wie im Vorjahr. Trotzdem ist die Gutschrift um fast 450 Franken geschrumpft. Mit dem Wetter hat das wenig zu tun.

Der Hauptgrund: 6 Rappen statt 12

Seit dem 1. Januar 2026 gilt das neue Stromgesetz. Die Netzbetreiber vergüten eingespeisten Solarstrom nun nach dem Referenz-Marktpreis, den das Bundesamt für Energie jeweils nach Quartalsende berechnet. Fällt dieser Marktpreis unter die gesetzlich garantierte Minimalvergütung, bezahlt EKZ bei Anlagen bis 30 kW 6 Rp./kWh. Genau das steht auf meiner Rechnung: 6,000 Rappen, also exakt die gesetzliche Untergrenze.

Überraschend kam das nicht. EKZ hatte selbst angekündigt, dass bei kleineren Anlagen in sonnenreichen Quartalen wegen der tiefen Referenzmarktpreise voraussichtlich die gesetzliche Mindestvergütung bezahlt wird. Hätte EKZ meine 6’057 kWh noch zum Satz von 2025 vergütet, wären es rund 745 Franken gewesen. Die Systemumstellung kostet mich in diesem einen Quartal also rund 380 Franken.

Der Haken am System ist strukturell: Der Marktpreis ist im Sommer tief, weil alle Solaranlagen gleichzeitig produzieren. Wer eine Solaranlage hat, speist aber naturgemäss vor allem im Sommer ein. Die Formel trifft damit genau das Quartal, in dem die Anlage am meisten leistet.

Kaufen zu 21, verkaufen zu 6

Noch deutlicher wird es, wenn man Bezug und Einspeisung nebeneinanderstellt. Für jede bezogene Kilowattstunde bezahle ich 2026 an variablen Kosten (Energie, Netz, Systemdienstleistungen, Abgaben) rund 19,7 Rappen, mit Mehrwertsteuer 21,3 Rappen. Für jede eingespeiste Kilowattstunde erhalte ich 6 Rappen. Das Verhältnis liegt bei 3,5 zu 1. Im Vorjahr war es noch etwa 2,2 zu 1.

Ich verstehe das ökonomische Argument: Die alten Vergütungen lagen im Sommer über dem Marktwert, und Solarstrom zur Mittagszeit ist im Überfluss vorhanden. Aber die Botschaft an alle, die in den letzten Jahren in eine Anlage investiert haben, ist ernüchternd. Die Wirtschaftlichkeitsrechnungen von damals gehen so nicht mehr auf.

Was besser geworden ist

Fairerweise: Der Strombezug ist tatsächlich günstiger geworden. Der Energiepreis ist von 15,6 Rappen (Hochtarif) bzw. 14,4 Rappen (Niedertarif) auf einen saisonalen Einheitstarif von 9,0 Rappen gesunken. Die Systemdienstleistungen haben sich halbiert. Hätte ich meine 808 kWh zu den Preisen von 2025 bezogen, hätte ich rund 45 Franken mehr bezahlt. Die höhere Rechnung beim Bezug kommt also allein vom höheren Verbrauch, nicht von den Tarifen.

Nur: Diese 45 Franken Ersparnis stehen den rund 380 Franken weniger Vergütung gegenüber. Für einen Haushalt ohne Solaranlage ist 2026 ein gutes Jahr. Für einen mit Solaranlage eher nicht.

Was mich stört

Drei Dinge fallen beim genauen Hinsehen auf.

Erstens die Transparenz. 2025 standen noch alle Zählerstände auf der Rechnung, bei der Einspeisung sogar Monat für Monat getrennt nach Hoch- und Niedertarif. 2026 steht nur noch eine Quartalssumme. Nachprüfen kann ich das nur noch im Kundenportal, nicht mehr auf dem Papier, für das ich übrigens 90 Rappen bezahle.

Zweitens neue und steigende Zuschläge. Die Stromreserve ist von 0,23 auf 0,41 Rappen gestiegen, also um fast 80 Prozent. Neu dazugekommen sind «Solidarisierte Kosten», die EKZ auf der Rechnung selbst als Hilfen für die Metallindustrie beschreibt. Der Betrag ist klein, aber das Prinzip bleibt bemerkenswert: Industriepolitik, finanziert über die Stromrechnung der Haushalte.

Drittens die Umbenennung. Wo 2025 ein «Grundtarif» für die Netznutzung von 5 Franken pro Monat stand, steht jetzt ein «Messtarif» von 5 Franken pro Monat. Gleicher Betrag, neuer Name. Das ist nicht falsch, macht den Vergleich aber nicht einfacher.

Und ein Punkt, der auf mich selbst zurückfällt

Auf beiden Rechnungen steht bei der Rückliefervergütung der Zusatz «o. HKN», also ohne Herkunftsnachweis. Laut EKZ beträgt die HKN-Vergütung 2026 bis zu 3,00 Rp./kWh. Das wäre bei meiner Einspeisung im besten Fall ein spürbarer Betrag pro Quartal. Ob sich die Registrierung bei Pronovo für meine Anlage lohnt und wie viel davon im Sommer effektiv übrig bleibt, muss ich noch genauer abklären. Aber wer sich über tiefe Vergütungen ärgert, sollte zuerst prüfen, ob er selbst Geld liegen lässt.

Und 2027 ändert sich alles nochmals

Kaum ist das neue Modell eingeführt, kommt das nächste. Ab 2027 richtet sich die Vergütung für eingespeisten Solarstrom nach dem Spotmarktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung. Wer über Mittag einspeist, wenn alle einspeisen, wird noch weniger bekommen. Die Minimalvergütung bleibt als Prämie erhalten, aber die Richtung ist klar.

Meine Schlussfolgerung

Einspeisen ist kein Geschäftsmodell mehr, sondern ein Nebenprodukt. Jede Kilowattstunde, die ich selbst verbrauche, ist 21 Rappen wert. Jede, die ich ins Netz schicke, 6 Rappen. Daraus folgt fast zwingend: Verbrauch in die Sonnenstunden verschieben, über einen Speicher nachdenken und lokale Lösungen nutzen. In Wila läuft mit der Lokalen Elektrizitätsgemeinschaft über EKZ Gemeinsamstrom bereits ein solches Modell, bei dem der Solarstrom im Quartier bleibt statt billig abgegeben zu werden.

Die Energiewende braucht Menschen, die auf ihre Dächer Solaranlagen bauen. Ob man diese Menschen motiviert, indem man die Vergütung im Sommer halbiert und das Modell im Jahresrhythmus umbaut, bezweifle ich. Planungssicherheit sieht anders aus.