Eine Ziegelreihe zu tief: Bericht vom ersten Selbstbautag

Der erste Tag ist geschafft, das Gerüst steht noch, alle Beteiligten sind wohlauf, und auf dem alten Schützenhaus glänzt seit gestern etwas, das vorher nicht da war. Kurz: Es läuft.

Was ich nicht erwartet hatte: Wie gut es läuft. Unsere freiwilligen Solateurinnen und Solateure sind mit einer Begeisterung ans Werk gegangen, die man sonst eher am ersten Ferientag sieht. Kein Murren, kein «das ist nicht meine Aufgabe», stattdessen Leute, die um Module anstehen wie andere um Bratwürste. Am Ende des Tages hätte die Installation beinahe schon fertig sein können.

Beinahe.

Der Moment, in dem alle gleichzeitig nach oben schauen

Es gibt bei jedem Bauprojekt diesen einen Augenblick, in dem eine Person kurz innehält, nochmals hinschaut, den Kopf leicht schief legt und dann sehr ruhig etwas sagt. Bei uns war es ungefähr so: Die Haken für die Schienen sassen auf einem Viertel des Daches eine Ziegelreihe zu tief.

Drei Reihen. Ein paar Zentimeter. Nichts, worüber ein Ziegel sich aufregen würde. Aber Schienen sind in dieser Hinsicht kompromisslos, und so bedeutete das: Ein Viertel des Daches musste nochmals fast komplett abgedeckt werden. Rückwärts. Ziegel für Ziegel. Genau das, was man den ganzen Vormittag mit viel Freude in die andere Richtung gemacht hatte.

Und jetzt kommt der Teil, den ich eigentlich erzählen will: Es gab keine Vorwürfe, keine langen Gesichter, keine Suche nach dem Schuldigen. Es gab Gelächter. Ein paar trockene Bemerkungen. Dann haben alle wieder angepackt. Nach zwei Stunden war die Sache erledigt, die Haken sassen dort, wo sie hingehören, und das Dach sah aus, als wäre nie etwas gewesen.

Wer schon einmal auf einer professionellen Baustelle erlebt hat, wie so etwas ablaufen kann, weiss, wie bemerkenswert das ist. Vielleicht ist genau das der Unterschied, wenn Leute aus dem Dorf für ihr eigenes Dorf bauen. Man kann nicht gut auf jemanden schimpfen, der einem am Abend das Bier reicht.

Danke, Daniel

Angeleitet wurden unsere Freiwilligen von Daniel Angehrn von Solarigs. Er hat eine Truppe von motivierten Laien innerhalb eines Tages zu einer erstaunlich eingespielten Montagemannschaft gemacht, und er hat beim Ziegel-Zwischenfall genau die Ruhe bewiesen, die es dafür braucht. Dass er in unserer Gemeinde nun wohl eines der ersten öffentlichen Projekte umsetzen kann, freut mich sehr. Verdient hat er es.

Feierabend vor dem Schützenhaus

Den Abschluss machte, was den Abschluss machen muss: Wurst, Bier und eine fröhliche Runde vor dem Schützenhaus. Und gelacht wurde viel. Über den Tag, über die Ziegelreihe, über die eigenen Muskeln, die sich langsam meldeten. Wer am Morgen noch fremd war, hat am Abend mitgeredet, als würde man sich seit Jahren kennen. Genau dafür macht man solche Projekte.

Und heute?

Heute Samstag geht es weiter:
Besichtigung von 09.00 bis 17.00 Uhr,
Vorträge zwischen 11.00 und 15.00 Uhr (zwei davon halte ich selber, zu Balkonkraftwerken und zur eigenen Anlage mit Batteriespeicher),
Basteltisch für die Kinder,
ab 17.00 Uhr das Einweihungsfest mit Festwirtschaft und
ab 18.00 Uhr die Huusmusig Meile.

Kommen Sie vorbei. Schauen Sie sich das Dach an. Und wenn Sie ganz genau hinschauen: Man sieht der oberen Ziegelreihe wirklich nichts mehr an.

Wie es zu diesem Projekt kam und was am Wochenende sonst noch läuft, steht im Bericht von den Vorbereitungen.