Ich habe die Entstehung des Internets erlebt. Jetzt beginnt die KI-Revolution.

Ich hatte das Privileg, die Entstehung des Internets aus nächster Nähe mitzuerleben.

Anfang der 1980er-Jahre gehörte ich zu den Mitgründern von /ch/open, einer Organisation, die das Internet in der Schweiz fördern wollte. Gleichzeitig arbeitete ich in der Forschung bei Mettler in Greifensee und kam über verschiedene Projekte auch mit Forschenden des CERN in Kontakt. Damals war bereits spürbar, dass hier etwas Grosses entstand. Doch wie grundlegend das Internet unser Leben, unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft verändern würde, konnte sich kaum jemand vorstellen.

Ich war deshalb überzeugt, dass ich in meinem Leben keine technologische Entwicklung von vergleichbarer Tragweite mehr erleben würde.

Heute weiss ich, dass ich mich geirrt habe.

Die Künstliche Intelligenz entwickelt sich mit einer Geschwindigkeit, die selbst die Anfänge des Internets in den Schatten stellt. Was damals Jahre dauerte, geschieht heute innerhalb weniger Monate. Fast täglich entstehen neue Werkzeuge, neue Möglichkeiten und neue Geschäftsmodelle. Ganze Branchen beginnen sich zu verändern.

Mit dieser Entwicklung stellen sich aber auch neue Fragen. Nicht nur zur Technik selbst, sondern auch zum Datenschutz.

Vor mehr als zehn Jahren habe ich auf diesem Blog einen Artikel darüber geschrieben, wie Google Suchanfragen verarbeitet und welche Informationen dabei anfallen. Damals war vielen gar nicht bewusst, welche Datenspuren wir bereits mit einer einfachen Suchanfrage hinterlassen. Heute, im Zeitalter von ChatGPT, Gemini, Claude oder Perplexity, ist dieses Thema aktueller denn je.

Denn längst geht es nicht mehr nur darum, welche Suchmaschine wir verwenden. Es geht darum, welchem Anbieter wir unsere Fragen, unsere Ideen und manchmal sogar unsere vertraulichen Informationen anvertrauen.

Vom Suchbegriff zum persönlichen Gespräch

Vor zehn oder fünfzehn Jahren bestanden Suchanfragen meist aus wenigen Stichworten:

  • Hotel Kreta
  • Herzklappe Haltbarkeit
  • Tesla Reichweite

Heute formulieren wir ganz andere Fragen:

Ich suche ein ruhiges Hotel auf Kreta mit schöner Aussicht und guter Küche. Wir reisen im Oktober und möchten möglichst wenig Tourismus.

Oder:

Ich habe eine künstliche Herzklappe. Welche neuen Forschungsergebnisse gibt es dazu?

Oder sogar:

Ich plane ein neues Softwareprodukt. Welche Architektur würdest Du empfehlen?

Aus einzelnen Suchbegriffen sind persönliche Gespräche geworden.

Wir verraten dabei viel mehr über uns als früher. Unsere Interessen, unsere Reisepläne, unseren Beruf, unsere Gesundheit oder unsere geschäftlichen Ideen fliessen ganz selbstverständlich in solche Dialoge ein.


Google weiss längst mehr als nur unsere Suchbegriffe

Wer heute Google nutzt, verwendet meist nicht nur eine Suchmaschine.

Zum Google-Universum gehören unter anderem:

  • Google Search
  • Gmail
  • Google Maps
  • YouTube
  • Android
  • Chrome
  • Google Drive
  • Google Fotos

Jeder dieser Dienste liefert Informationen darüber,

  • wonach wir suchen,
  • welche Webseiten wir besuchen,
  • welche Videos wir ansehen,
  • wohin wir reisen,
  • mit wem wir kommunizieren,
  • welche Interessen wir haben,
  • und häufig sogar, wo wir uns gerade befinden.

Für sich allein genommen wirken diese Informationen oft harmlos. Zusammengenommen ergeben sie jedoch ein erstaunlich präzises Bild unseres Lebens.


Die Suchmaschine verliert ihre Vormachtstellung

Eine Entwicklung finde ich besonders spannend.

Immer mehr Menschen beginnen ihre Informationssuche gar nicht mehr bei Google.

Sie öffnen stattdessen ChatGPT.

Oder Perplexity.

Oder Claude.

Oder Gemini.

Die KI liefert nicht mehr nur eine Liste von Links, sondern gleich eine verständliche Antwort, fasst Informationen zusammen und hilft sogar beim Denken.

Google hat diese Entwicklung erkannt und integriert deshalb selbst immer mehr KI direkt in seine Suche.

Der Wettbewerb findet heute nicht mehr nur zwischen Suchmaschinen statt, sondern zwischen intelligenten Assistenten.


Datenschutz bekommt eine neue Dimension

Früher stellte sich hauptsächlich die Frage:

Welche Suchmaschine verwende ich?

Heute lautet sie:

Welcher KI vertraue ich meine Gedanken an?

Wer mit einer KI arbeitet, führt oft stundenlange Gespräche.

Man diskutiert Geschäftsideen.

Man analysiert Verträge.

Man schreibt Briefe.

Man plant Reisen.

Man spricht über gesundheitliche Fragen.

Oder entwickelt neue Software.

Noch nie haben Computer so viele persönliche Informationen erhalten wie heute.

Deshalb lohnt es sich, bewusst darüber nachzudenken, welche Daten man welchem Anbieter anvertrauen möchte.


Welche Alternativen gibt es?

Natürlich ist Google nach wie vor eine hervorragende Suchmaschine. Der Suchindex ist riesig und die Qualität der Ergebnisse meist ausgezeichnet.

Wer jedoch mehr Wert auf Datenschutz legt, findet heute interessante Alternativen.

Startpage verwendet den Google-Index, anonymisiert jedoch die Suchanfrage. Google erfährt dabei nicht, wer gesucht hat.

DuckDuckGo verzichtet weitgehend auf Nutzerprofile und Tracking.

Brave Search betreibt inzwischen einen eigenen Suchindex und entwickelt sich kontinuierlich weiter.

Kagi geht einen ganz anderen Weg. Der Dienst finanziert sich über ein kostenpflichtiges Abonnement und verzichtet bewusst auf Werbung. Damit bezahlt der Nutzer mit Geld statt mit seinen Daten.

Welche Lösung die richtige ist, muss jeder selbst entscheiden.

Wichtig ist vor allem, dass man überhaupt eine bewusste Entscheidung trifft.


KI verändert auch die Softwarebranche

Je intensiver ich mich mit Künstlicher Intelligenz beschäftige, desto deutlicher erkenne ich, dass sie weit mehr verändern wird als nur die Art, wie wir Informationen suchen.

Software entsteht bereits heute anders.

Programmcode wird von KI mitentwickelt.

Dokumentationen entstehen automatisch.

Komplexe Probleme lassen sich in Minuten lösen, für die früher Tage oder Wochen notwendig waren.

Als Unternehmer beschäftigt mich besonders die Frage, welche Auswirkungen dies auf Standardsoftware haben wird.

Bisher war Individualsoftware für viele Unternehmen schlicht zu teuer.

Mit modernen KI-Werkzeugen sinken diese Kosten jedoch drastisch.

Standardsoftware wird deshalb nicht verschwinden. Sie wird ihren Mehrwert künftig stärker über Qualität, Integration, Fachwissen, Sicherheit und Service begründen müssen – und weniger über den Umstand, dass individuelle Softwareentwicklung bislang wirtschaftlich kaum möglich war.

Ich bin überzeugt, dass dies die Softwarebranche in den kommenden Jahren grundlegend verändern wird.


Technik begeistert mich. Datenschutz bleibt trotzdem wichtig.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die neue Technologien skeptisch betrachten.

Im Gegenteil.

Ich experimentiere fast täglich mit neuen KI-Werkzeugen und bin fasziniert davon, wie rasant sich ihre Fähigkeiten weiterentwickeln.

Gerade weil ich diese Entwicklung so spannend finde, halte ich einen bewussten Umgang mit unseren Daten für besonders wichtig.

Datenschutz bedeutet nicht, neue Technologien abzulehnen.

Datenschutz bedeutet, informiert zu entscheiden.

Welche Suchmaschine verwende ich?

Welcher KI vertraue ich meine Informationen an?

Welche Daten möchte ich wirklich preisgeben?

Diese Fragen werden uns in Zukunft immer häufiger beschäftigen.


Mein persönliches Fazit

Als ich Anfang der 1990er-Jahre die ersten Schritte des Internets miterlebte, war mir klar, dass hier etwas Grosses entsteht.

Dass diese Technologie einmal unseren Alltag, unsere Kommunikation, unseren Beruf und praktisch alle Lebensbereiche verändern würde, konnte damals jedoch kaum jemand wirklich abschätzen.

Heute habe ich wieder genau dieses Gefühl.

Die Künstliche Intelligenz steht erst am Anfang ihrer Entwicklung.

Ich bin überzeugt, dass wir in zwanzig Jahren auf diese Zeit zurückblicken werden wie heute auf die Anfänge des Internets.

Mit einem Unterschied:

Diesmal verläuft die Entwicklung nicht über Jahrzehnte, sondern in wenigen Jahren.

Es bleibt spannend.