Mit dem Velo durchs Dreiländereck – und als Krönung André Rieu in Maastricht

12 Tage, 3 Länder, 13 Footprints, gut 1’200 Kilometer zwischen Haustür und Haustür – und eine ganze Menge Technik im Hintergrund. Ein Reisebericht vom 6. bis 17. Juli 2026.

Die Idee

Am Anfang stand ein Konzertticket. Genauer: zwei VIP-Tickets für André Rieu und das Johann Strauss Orchestra auf dem Vrijthof in Maastricht, gebucht schon an Weihnachten 2025 über André Rieu Travel. Das Paket war verlockend – Übernachtung im Kruisherenhotel (einem Designhotel in einer gotischen Klosterkirche!), Backstage-Führung, Gourmet-Dinner mit Live-Musik und Premium-Plätze am Konzert.

Aber nur für ein Wochenende 600 Kilometer nach Maastricht fahren? Da ging noch mehr. So wurde aus dem Konzertwochenende eine zwölftägige Reise: mit dem Tesla von Wila nach Maastricht, dann per E-Bike von Hotel zu Hotel durchs Dreiländereck – Niederlande, Belgien, Deutschland – und zum Abschluss das VIP-Wochenende als Belohnung.

Die Route als Satellitenkarte – alle Footprints zwischen Maastricht, Liège, Aachen und Monschau

Die Route

Die Rundtour war bewusst gemütlich geplant: rund 30 bis 40 Kilometer pro Tag, mit viel Zeit für alles, was am Weg liegt.

Maastricht → Kanne → Liège → Voeren → Aachen → Monschau → Eupen → Aachen → Maastricht

Und das Wetter? Ein Traum. Fast durchgehend 25 bis 29 Grad und Sonne – während zuhause das Thermometer über 33 Grad kletterte, radelten wir bei perfekten Temperaturen durchs Grenzland.

Unterwegs – wie es wirklich war

Das Schöne an einer selbst geplanten Tour: Der Plan ist ein Angebot, kein Befehl. Einiges aus dem Programm haben wir unterwegs bewusst links liegen lassen – dafür kamen Dinge dazu, die in keiner Reisemappe standen. Ein paar Momente, die hängen geblieben sind:

Ankommen auf Holländisch (Tag 1). Carpe Diem in Maastricht: Pommes und ein Bier, danach Apéro in einer umgenutzten Kirche – Aperol Spritz und Limoncello Spritz unter gotischem Gewölbe. Die Ferien begannen stilgerecht.

«Hoera het is vandaag» – Maastricht begrüsst uns

Startklar mit 40 Kilo im Schlepptau (Tag 2). Velos vom Heckträger, Anhänger montiert, Schweizer Fähnchen dran – und los der Maas entlang nach Kanne. Der Croozer-Anhänger ersetzte den täglichen Gepäcktransfer und lief die ganze Tour über tadellos.

Bereit für die erste Etappe – E-Bike mit Gepäck-Anhänger und Schweizer Flagge

Die Hängebrücke über den Albertkanal. Ungeplantes Highlight der Kanne-Etappe: die spektakuläre Fussgänger-Hängebrücke hoch über dem tief eingeschnittenen Albertkanal – ein Hauch Nervenkitzel inklusive.

Hoch über dem Albertkanal – die Hängebrücke bei Kanne

Calatrava statt Kohlebergwerk (Tag 3). Eine fröhliche Tour entlang Albertkanal und Maas nach Lüttich – vorbei an unzähligen liebevoll bewohnten Hausbooten. In der Stadt dann der Bahnhof Liège-Guillemins von Santiago Calatrava: ein Beweis, dass Verkehrsinfrastruktur auch Kunst sein kann.

Liège-Guillemins – Calatravas lichtdurchflutete Bahnhofskathedrale

Hausboot-Idylle an Maas und Albertkanal

Kulturtag in Lüttich (Tag 4). Fürstenpalast, Kathedrale mit leuchtenden Glasfenstern – und natürlich die Montagne de Bueren: 374 schnurgerade Stufen den Hang hinauf, oben der Blick über die Stadt. Abends viel Kultur und fröhliches Nachtleben, inklusive Strassenfest.

Die berühmte Montagne de Bueren – 374 Stufen Richtung Aussicht

Genussradeln im Voerstreek (Tag 5). Hügelig und idyllisch ging es in die flämische Exklave Voeren zum Landgoed Altenbroek. Ein kühles Glas Weisswein, angenehmer Schatten, eine wunderschöne Terrasse – manchmal braucht es gar nicht mehr für einen gelungenen Ferientag.

Wohlverdiente Pause auf der Terrasse des Landgoed Altenbroek

Top of Niederlande (Tag 6). Am Dreiländerpunkt bei Vaals treffen Niederlande, Belgien und Deutschland zusammen – mit 322 Metern zugleich der höchste Punkt der europäischen Niederlande. Erinnerungsfoto am Obelisken obligatorisch, Barbaras Yoga-Einlage (Trikonasana am Dreiländereck!) ebenfalls.

Monschau im Klang der Musikwoche (Tag 7). Nach einer anspruchsvollen Etappe mit vielen Steigungen und rasanten Abfahrten – zwischendurch auf über 500 Metern durchs belgische Hochland – erreichten wir das Fachwerkstädtchen Monschau. Und zwar genau am richtigen Wochenende: Überall in den Gassen erklang Live-Musik, auf dem Marktplatz spielte ein Blasorchester, die ganze Altstadt voller Leben.

Musikwoche in Monschau – Blasorchester vor Fachwerkkulisse

Über die Vennbahn nach Eupen (Tag 8). Auf der ehemaligen Bahntrasse – einem der längsten Bahntrassen-Radwege Europas – durchs Vorland des Hohen Venns nach Eupen, übernachtet wurde stimmig im Kloster Heidberg.

Von Fahnen, Kunst und Thermen (Tag 9). Zurück Richtung Aachen, vorbei an patriotisch geschmückten Häusern – so sieht man wenigstens, ob man gerade in Belgien, Holland oder Deutschland ist. In Raeren dann ein Schmunzler am Wegrand: ein Kunstautomat mit kleinen Original-Kunstwerken für sieben Euro. Und statt nochmals «alte Steine und Historisches» gab es in Aachen ausgiebiges Entspannen in den Carolus Thermen, gekrönt von wunderbarem Fisch am Rathausplatz.

Kunst aus dem Automaten – entdeckt in Raeren

Salus per aquam – Entspannung in den Carolus Thermen Aachen

Der Endspurt (Tag 10). Heute wurde «ge-kilometert»: 33 Kilometer von Aachen nach Maastricht, teilweise mit 30 km/h – trotz 40-Kilo-Anhänger. Dazwischen eine gemütliche Kaffeepause und Kirschen direkt vom Bauern, aus dem Lautsprecher am Lenker lief sogar SRF 1. In Maastricht war das Zimmer im spektakulären Kruisherenhotel sofort bezugsbereit, die Stadt bereits voll auf André Rieu eingestellt – die Vorfreude stieg mit jedem Schritt.

Ankunft in Maastricht – geschafft, und wie!

Der VIP-Tag

Der 16. Juli gehörte komplett dem Konzert. Ab 12 Uhr Lunchbuffet im Hotel, um 13:30 Uhr Abfahrt zur Backstage-Führung auf dem Vrijthof – es ist beeindruckend, was für eine Maschinerie hinter so einer Open-Air-Bühne steckt. Um 17 Uhr das 4-Gänge-Dinner mit dem Maastricht Salon Orchestra, und um 21 Uhr dann der Moment, für den das alles geplant war: André Rieu vor der beeindruckenden Kulisse des historischen Platzes, mit dem Johann-Strauss-Orchester, Solisten und einer spektakulären Bühnenshow – Musik, Emotionen und Gänsehaut, bis der Abend erst um halb eins mit Drinks im Hotel ausklang.

Festlich auf den VIP-Premium-Plätzen – kurz vor Konzertbeginn

Der Vrijthof füllt sich – Abendstimmung vor dem Konzert

André Rieu & das Johann Strauss Orchestra – perfekte Inszenierung

Ein Detail, das sich bewährt hat: Die festliche Konzertgarderobe reiste in einer separaten Tasche, die während der ganzen Velo-Tour im Auto in Maastricht blieb. So mussten Hemd und Kleid nicht zehn Tage im Veloanhänger mitfahren – und waren am grossen Abend knitterfrei zur Stelle.

Hinter den Kulissen: die Planung

Und jetzt zum Teil, der mich als Technik-Fan mindestens so beschäftigt hat wie die Route selbst. Diese Reise war nämlich auch ein Experiment: Wie weit kann man eine komplette Reiseorganisation mit KI-Unterstützung aufbauen? Die Antwort: ziemlich weit.

Die Reisemappe

Das Herzstück war eine rund 20-seitige Reisedokumentation als Word-Dokument – mit einer bebilderten Seite pro Reisetag, Stationsbeschreibungen, Hotelübersicht samt Kontakten und Bestätigungsnummern, Tesla-Ladestrategie und Parkoptionen in Maastricht. Ausgedruckt lag sie im Gepäck, als PDF auf dem Handy. Klingt altmodisch? Vielleicht. Aber wenn das Netz mal streikt oder der Akku leer ist, schlägt Papier jede App.

Die Hotel-Kontrollliste

Neun Hotels individuell anzufragen und zu buchen erzeugt schnell Chaos. Dagegen half eine Excel-Kontrollliste: pro Hotel Anfrage- und Antwortdatum, Status, Preis, Frühstück, Velo-Abstellung und offene Fragen. Innerhalb einer Woche im Januar waren alle Nächte bestätigt – und nichts ging vergessen.

Die eigene Reise-App

Das Sahnehäubchen: ein eigener digitaler Reiseführer als Progressive Web App, installiert als WordPress-Plugin hier auf jpk.ch. Die App läuft offline, lässt sich aufs Handy «installieren» wie eine native App und bündelt alles Wichtige: alle Etappen mit Stationen, alle Hotels mit Kontakten, die Maastricht-Highlights und die VIP- und Notfallkontakte – filterbar und durchsuchbar. Die Applikation wurde mit claude code erstellt.

Navigation mit OsmAnd

Warum wollte ich nicht mit dem Handy navigieren? In der Vergangenheit überhitzte das Handy regelmässig am Lenker. Dass heisst, die Anzeiger wurde dunkel und das Handy konnte nicht mehr genutzt werden. Darum habe ich ein Display für Motorräder beschafft, welches über Bluetooth mit dem Handy, welches verstaut über CarPlay bedient werden konnte. Für die Navigation auf dem Velo fiel die Wahl bewusst auf OsmAnd statt Google Maps. Die Gründe: damit (und nur damit) war auch Velo-Navigation möglich.

Das Reisetagebuch mit FindPenguins

Unterwegs entstand das eigentliche Tagebuch in FindPenguins: Zu jedem Footprint speichert die App automatisch Ort, Uhrzeit, Wetter und Höhe – dazu unsere Fotos und kurzen Texte. Das Schönste daran: Familie und Freunde reisten in den Kommentaren mit und fieberten von zuhause aus mit («Beneidenswerte Temperaturen! Bei uns zeigt das Thermometer 33 Grad…»). Und nach der Reise wird aus allen Footprints per Knopfdruck ein gedrucktes Fotobuch – aus dem übrigens auch die Bilder in diesem Beitrag stammen.

Der Kalender

Zusätzlich wanderte die ganze Reise als iCal-Datei mit über 60 Einträgen in den Kalender – von der Abfahrtszeit über jede Besichtigung bis zum Konzertbeginn. So wusste das Handy immer, was als Nächstes ansteht.

Die Tesla-Logistik

Auch die Anreise wollte durchdacht sein: zwei E-Bikes auf dem Heckträger, der Gepäck-Veloanhänger zusammengelegt im Kofferraum. Mit dieser Beladung sinkt die Reichweite spürbar – rund 20 bis 30 Prozent –, weshalb wir moderat fuhren und die Ladeplanung dem Bordcomputer überliessen: zwei Supercharger-Stopps, die längere Pause bewusst als Mittagessen getaktet.

Während der Velo-Tage stand der Tesla bewacht in Maastricht. Ein E-Auto verliert im Standby nur wenige Prozent Ladung – einfach stehen lassen, und vor der Heimfahrt am Supercharger Slakweg (direkt an der A2 Richtung Süden) einmal vollladen. Hat perfekt funktioniert.

Fazit

Diese Reise hat gezeigt, wie gut sich Genuss und Planung ergänzen: kurze Etappen, viel Zeit für das, was am Weg liegt – und die Freiheit, den Plan unterwegs über den Haufen zu werfen, wenn eine Hängebrücke, ein Kunstautomat oder eine Therme lockt.

Was ich wieder so machen würde:

  • Kurze Etappen (30–40 km) – Ferien statt Sportprogramm, und genug Reserve für spontane Entdeckungen.
  • Gepäck im Veloanhänger statt täglichem Gepäcktransfer – unabhängig, flexibel, günstiger. Und 30 km/h gehen auch mit 40 Kilo im Schlepptau.
  • Den Plan als Angebot verstehen – die schönsten Momente standen in keiner Reisemappe.
  • Die separate Konzert-Tasche im Auto – das Prinzip «Festgarderobe bleibt am Zielort» kommt bei jeder gemischten Reise wieder zum Einsatz.
  • OsmAnd mit vorab importierten GPX-Routen – offline, zuverlässig, velofreundlich.
  • FindPenguins als Reisetagebuch – die Daheimgebliebenen reisen mit, und am Schluss gibt’s ein Fotobuch.

Was ich nächstes mal ändern würde:

  • Jeweils 2 Übernachtungen pro Station
  • Weniger Wäsche mitnehmen

Und was bleibt? Der Moment, wenn auf dem Vrijthof die ersten Takte erklingen, die ganze Stadt mitschwingt – und man weiss: Die letzten zehn Tage im Sattel waren der perfekte Weg hierher.

Maastricht, wir kommen wieder.

Fotos und Bericht: Barbara Münch & Jean-Pierre Kousz