Zehn Jahre und Schluss? Warum Wärmepumpen eine Software-Zusage brauchen
Eine Wärmepumpe ist keine Kaffeemaschine. Mit Installation kostet sie schnell 30’000 bis 50’000 Franken, sie läuft rund um die Uhr, und sie soll zwanzig Jahre oder länger halten. Finanziell und technisch gleicht sie eher einem Auto als einem Haushaltgerät. Deshalb lohnt sich ein Vergleich, der mich in den letzten Wochen nicht mehr loslässt.
Mein Tesla: 12 Jahre alt und immer noch aktuell
Mein Tesla ist zwölf Jahre alt und hat über 200’000 Kilometer auf dem Tacho. Trotzdem erhalte ich bis heute regelmässig Software-Updates, oft mit Fehlerbehebungen und Sicherheitsverbesserungen, manchmal sogar mit neuen Funktionen. Zweimal konnte ich das Fahrzeug zudem hardwareseitig aufrüsten: einmal den Bordcomputer, einmal das Modem. Das Auto ist dadurch heute in gewisser Weise besser als bei der Auslieferung.
Ein Hersteller, der so handelt, behandelt sein Produkt als etwas, das er über die ganze Lebensdauer begleitet. Genau das erwarte ich von einem teuren, langlebigen Gerät.
Meine Wärmepumpe: «Ende des Lebenszyklus»
Bei uns in Wila läuft eine Alpha Innotec LW 310 mit dem Regler Luxtronik 2.0. Ich binde die Wärmepumpe in mein Energiemanagement ein, unter anderem, um überschüssigen Solarstrom zum Heizen zu nutzen. Das ist genau die Art von intelligenter Steuerung, die man sich für die Energiewende wünscht.
Mit der Firmware V1.90.0 funktioniert das nicht mehr. Sobald über die Netzwerkschnittstelle des Reglers ein Parameter geschrieben wird, stürzt der ganze Regler ab und ist im Netzwerk nicht mehr erreichbar. Diese Schnittstelle benutzt übrigens auch das herstellereigene Java-Webinterface. Lesen funktioniert, Änderungen am Display ebenfalls, aber jeder Schreibbefehl übers Netz legt die Steuerung lahm. Ich habe den Fehler mehrfach reproduziert. In der Anwender-Community ist er auf vielen Anlagen dokumentiert, und die Entwickler der Home-Assistant-Integration haben Schreibzugriffe für diese Firmware-Versionen inzwischen vorsorglich gesperrt.
Ich habe den Fehler sauber dokumentiert bei ait Schweiz gemeldet. Die Antwort war in drei Punkten aufschlussreich:
- Die Schnittstelle werde nicht offiziell kommuniziert oder betreut, deshalb gebe es keine Garantieleistungen.
- Es seien Anpassungen aus Sicherheitsgründen vorgenommen worden.
- Der Luxtronik 2.0 befinde sich am Ende seines Lebenszyklus, grössere Updates seien nicht mehr geplant.
Fairerweise muss ich sagen: Der Service hat schnell reagiert und mir per Fernwartung ein Downgrade auf eine ältere Version eingespielt. Einige Tage später kam vom Werk zudem die Bestätigung, dass der Fehler bekannt ist und eine Lösung bereits erarbeitet wurde. Wann sie veröffentlicht wird, sei aber noch offen. Mir persönlich ist also geholfen. Die Grundhaltung dahinter stört mich trotzdem.
Warum «Ende des Lebenszyklus» nach zehn Jahren nicht akzeptabel ist
Drei Dinge passen hier nicht zusammen.
Erstens die Lebensdauer. Eine Wärmepumpe wird auf zwanzig Jahre und mehr ausgelegt. Wenn der Regler, also das Gehirn der Anlage, nach rund zehn Jahren keine Pflege mehr erhält, ist die Hälfte der Nutzungszeit softwareseitig verwaist. Niemand würde ein Auto kaufen, bei dem nach der Hälfte der Lebensdauer die Bremsen-Software nicht mehr korrigiert wird.
Zweitens die Logik der Updates. Wer ein Update ausliefert, das eine funktionierende Funktion zerstört, verursacht einen Mangel. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Schnittstelle «offiziell» ist. Sie war jahrelang in Betrieb, das eigene Webinterface nutzt sie, und eine ganze Community baut darauf auf. Ein Schreibbefehl darf ein Gerät nicht zum Absturz bringen, egal woher er kommt. Gerade aus Sicherheitssicht ist ein Regler, der sich mit einem einzigen Netzwerkbefehl abschiessen lässt, das Gegenteil von sicher.
Drittens die Energiewende. Wärmepumpen sollen netzdienlich laufen, Solarstrom nutzen und mit dem Energiemanagement im Haus zusammenspielen. Das geht nur mit offenen, stabilen Schnittstellen und mit Herstellern, die diese über Jahre pflegen. Wer die Steuerbarkeit kappt, macht aus einer intelligenten Anlage wieder einen dummen Heizkessel.
Was ich von Herstellern erwarte
Ich verlange nicht, dass jede zehn Jahre alte Wärmepumpe neue Funktionen bekommt. Aber ein paar Dinge sollten selbstverständlich sein:
- Eine verbindliche Update-Zusage beim Kauf, mindestens für Sicherheits- und Fehlerkorrekturen, über die erwartete Lebensdauer der Anlage.
- Stabile, dokumentierte Schnittstellen für die Einbindung ins Energiemanagement, statt stillschweigender Änderungen.
- Ein Upgrade-Pfad für die Steuerung. Wenn der Regler veraltet ist, sollte man ihn ersetzen können, ohne die ganze Wärmepumpe wegzuwerfen. Tesla zeigt, dass das geht.
- Transparenz, wenn eine Produktlinie das Ende ihres Supports erreicht, und zwar bevor der Kunde es durch einen Fehler herausfindet.
Fazit
Die Branche verkauft Wärmepumpen zu Recht als langfristige Investition in die Zukunft. Dann muss sie diese Investition aber auch langfristig begleiten. Ein Auto erhält nach zwölf Jahren noch neue Funktionen, eine Heizung nach zehn Jahren nicht einmal mehr die Garantie, dass ein Update sie nicht kaputt macht. Das kann so nicht bleiben.
Wer heute eine Wärmepumpe kauft, sollte deshalb nicht nur nach COP-Werten und Lautstärke fragen, sondern auch: Wie lange gibt es Updates? Und kann ich die Steuerung später ersetzen? Ich werde diese Fragen bei meiner nächsten Anlage jedenfalls stellen.