Intelligente Heizungssteuerung mit Sonnenstrom

Wie wir unsere Wärmepumpe dazu bringen, möglichst dann zu heizen, wenn die Sonne scheint.

Das Problem

Wärmepumpen sind effizient — aber sie laufen oft zu den falschen Zeiten. In der Villa Wellentanz haben wir festgestellt, dass unsere Wärmepumpe bevorzugt nachts heizt. Das ist grundsätzlich kein Problem, aber: Tagsüber produziert unsere Photovoltaikanlage auf dem Dach reichlich Strom. Strom, den wir ins Netz einspeisen, statt ihn selbst zu nutzen.

Die Idee lag auf der Hand: Warum nicht die Wärmepumpe dann laufen lassen, wenn die Sonne gratis Energie liefert?

Die Lösung: Das Haus als Wärmespeicher

Unser Ansatz nutzt ein einfaches physikalisches Prinzip: Ein gut gebautes Haus speichert Wärme über viele Stunden. Wände, Böden und Möbel nehmen die Energie auf und geben sie langsam wieder ab.

Konkret funktioniert das so:

Tagsüber bei Sonnenschein wird die Heizung aktiver betrieben als nötig. Die Wärmepumpe nutzt den Überschuss-Solarstrom und «lädt» das Haus mit Wärme auf — ähnlich wie eine Batterie, nur eben mit Wärme statt Strom.

In der Nacht wird die Heizleistung reduziert. Die tagsüber gespeicherte Wärme reicht aus, um das Haus komfortabel durch die Nacht zu bringen. Die Wärmepumpe muss weniger oder gar nicht aus dem Netz heizen.

Wie steuern wir das?

Unsere Hausautomation (Home Assistant) überwacht laufend mehrere Werte und entscheidet alle 15 Minuten, wie die Heizung gefahren werden soll:

  • Aktuelle Solarproduktion — Wie viel Strom erzeugt die PV-Anlage gerade?
  • PV-Überschuss — Wie viel davon wird nicht im Haus verbraucht?
  • Batterieladung — Ist der Hausspeicher bereits ausreichend geladen?
  • Raumtemperatur — Wie warm ist es aktuell im Haus?
  • Tageszeit — Morgen, Mittag oder Nacht?

Aus diesen Daten ergibt sich automatisch die optimale Einstellung.

Die Logik im Überblick

Sicherheit geht vor

Ein wichtiger Aspekt: Was passiert, wenn es draussen extrem kalt wird und die gespeicherte Wärme nicht reicht? Dafür haben wir eine Sicherheitsschwelle eingebaut. Fällt die Raumtemperatur unter einen einstellbaren Mindestwert (z. B. 19 °C), wird die Nachtabsenkung sofort aufgehoben und die Heizung springt wieder an. Zusätzlich erhalten wir eine Benachrichtigung aufs Handy.

Die Technik dahinter

Die Steuerung basiert auf Home Assistant und kommuniziert mit unserer Luxtronik-Wärmepumpe über eine direkte Schnittstelle. Die Energiedaten kommen von unserem E3DC-Speichersystem, das Solarproduktion, Hausverbrauch, Batteriestatus und Netzeinspeisung in Echtzeit liefert.

Alle Parameter — Schwellwerte, Korrekturwerte, Mindesttemperatur — lassen sich über ein Dashboard am Tablet oder Smartphone jederzeit anpassen. So können wir die Steuerung im laufenden Betrieb optimieren, ohne an der Programmierung etwas ändern zu müssen.

Was bringt’s?

Die Optimierung zielt auf drei Effekte ab:

Mehr Eigenverbrauch — Der selbst erzeugte Solarstrom wird direkt genutzt, statt ins Netz eingespeist zu werden. Das ist wirtschaftlich sinnvoll, da der Eigenverbrauch deutlich wertvoller ist als die Einspeisevergütung.

Weniger Netzbezug — Weil die Wärmepumpe nachts weniger läuft, sinkt der Strombezug aus dem Netz.

Nachhaltigkeit — Heizen mit Sonnenstrom statt mit dem allgemeinen Strommix ist ein konkreter Beitrag zur Energiewende — direkt vom eigenen Dach.