Veranstaltungs-Display mit TRMNL und Home Assistant: Eine Alternative zum ROOMZ Display
Wer Meetingräume, Veranstaltungsräume oder Büros mit digitalen Türschildern ausstatten möchte, stösst schnell auf Produkte wie das ROOMZ Display. Das Schweizer System ist elegant, einfach zu installieren und gut durchdacht – aber es hat seinen Preis. Ein ROOMZ Display kostet rund CHF 830, und die obligatorische Software-Subscription schlägt mit ca. CHF 240 für zwei Jahre zu Buche. Wer mehrere Räume ausstatten will, kommt schnell auf mehrere tausend Franken.
Doch es geht auch anders. Mit einem TRMNL e-ink Display, Home Assistant und etwas Konfigurationsarbeit lässt sich ein funktionales Veranstaltungs-Display für einen Bruchteil der Kosten realisieren – ganz ohne laufende Abo-Gebühren.
Was kann das ROOMZ Display?
Das ROOMZ Display ist ein 8-Zoll ePaper-Türschild, das kabellos per WiFi mit einem Cloud-Dienst verbunden ist. Es zeigt die aktuelle Raumbelegung an, listet kommende Termine auf und erlaubt über ein Touch-Panel spontane Buchungen. Die Batterie hält laut Hersteller rund zwei Jahre.

Die Stärken von ROOMZ liegen in der einfachen Inbetriebnahme und der direkten Anbindung an Exchange, Office 365 oder Google Calendar. Für grosse Organisationen mit hunderten Räumen ist das ein valides Argument.
Warum nicht das reTerminal?
In einem früheren Beitrag habe ich das Seeed Studio reTerminal E1002 als günstige Alternative vorgestellt. Das 7.3-Zoll ePaper-Display mit Farbunterstützung und ESP32-S3 funktionierte grundsätzlich gut, hatte aber einen entscheidenden Nachteil: Die Batterie war viel zu schnell leer. Für ein Display, das dauerhaft an einer Eingangstüre hängen soll, war das ein K.O.-Kriterium.
Die Alternative: TRMNL
Das TRMNL ist ein 7.5-Zoll e-ink Display (800×480 Pixel, 4 Graustufen) mit WiFi, das als offene Plattform für individuelle Dashboards konzipiert ist. Es basiert auf einem ESP32, hat eine 1800-mAh-Batterie (optional 2500 mAh) und wird über ein Web-Interface konfiguriert.
Der entscheidende Unterschied zum reTerminal: Das TRMNL ist konsequent auf minimalen Stromverbrauch ausgelegt. Das Display wacht in einstellbaren Intervallen auf, holt sich ein neues Bild vom Server, rendert es und schläft wieder ein. Die Batterie hält damit laut Hersteller bis zu drei Monate – bei 15-minütigen Updates.

Das Gerät hat ein schlichtes Gehäuse mit Aufsteller und Wandhalterung, wiegt 165 Gramm und ist mit rund USD 139 (ca. CHF 125) erschwinglich. Hardware und Firmware sind Open Source.
Was braucht man?
- Ein TRMNL Display (ca. CHF 125)
- Das Developer-Edition-Upgrade (einmalig USD 20, ca. CHF 18) – nötig für Private Plugins mit Webhook-Anbindung
- Eine laufende Home Assistant-Installation
- Einen Google Calendar, CalDAV- oder Exchange-Kalender, der in Home Assistant eingebunden ist
- Etwas Zeit für die Konfiguration (ca. 2–3 Stunden)
So funktioniert es
Die Architektur ist einfach: Home Assistant liest die Termine aus dem Kalender, formatiert die Daten und schickt sie per Webhook an das TRMNL Display. Dort werden sie mit einem Liquid-Template gerendert.
Schritt 1: Kalender einrichten
In Home Assistant einen Kalender integrieren – Google Calendar, CalDAV (z.B. Nextcloud) oder eine lokale Kalenderdatei. Home Assistant stellt die Termine dann als Kalender-Entitäten bereit.
Schritt 2: TRMNL Private Plugin erstellen
Im TRMNL Web-Interface ein Private Plugin anlegen und als Strategie „Webhook“ wählen. Man erhält eine Webhook-URL, an die Home Assistant die Daten senden kann. Das Layout wird in einem Liquid-Template gestaltet – ähnlich wie bei Shopify.
Schritt 3: Home Assistant Automation
Eine Automation in Home Assistant ruft alle 15 Minuten die aktuellen Kalender-Events ab, formatiert sie (Datum, Uhrzeit, Titel) und sendet sie als JSON-Payload per HTTP POST an die TRMNL Webhook-URL. In meinem Fall enthält der Payload das aktuelle Event, die nächsten sechs Veranstaltungen und einen Zeitstempel.
Schritt 4: Liquid-Template gestalten
Das Template definiert, wie die Daten auf dem e-ink Display dargestellt werden. TRMNL bietet ein eigenes CSS-Framework mit Klassen für Typographie, Layout und Tabellen. Für ein 2-bit-Graustufen-Display empfiehlt es sich, auf Hintergrundfarben zu verzichten (sie werden als Dither-Muster gerendert) und stattdessen mit Linien und typographischer Hierarchie zu arbeiten.
Kostenvergleich
| ROOMZ Display | DIY (TRMNL + HA) | |
|---|---|---|
| Hardware | ca. CHF 830 | ca. CHF 125 |
| Software (2 Jahre) | ca. CHF 240 | CHF 0 |
| Software (10 Jahre) | ca. CHF 1’200 | CHF 0 |
| Einmalige Lizenz | – | ca. CHF 18 (Developer Edition) |
| Total 2 Jahre | ca. CHF 1’070 | ca. CHF 143 |
| Total 10 Jahre | ca. CHF 2’030 | ca. CHF 143 |
| Einrichtungszeit | ca. 15 Minuten | ca. 2–3 Stunden |
| Laufende Kosten | Ja (Abo) | Nein |
| Kalender-Integration | Exchange, O365, Google | Alles was HA unterstützt |
| Touch-Buchung | Ja | Nein |
| Cloud-Abhängigkeit | Ja (ROOMZ Cloud) | Optional (TRMNL Cloud oder Self-Hosted) |
| Batterie | ca. 2 Jahre | ca. 3–6 Monate |
| Open Source | Nein | Ja (Hardware + Firmware) |
Bei einem einzelnen Display spart man über zwei Jahre rund CHF 930. Bei fünf Räumen sind es knapp CHF 4’600. Je länger das System läuft, desto grösser wird der Unterschied – die Abo-Kosten fallen beim ROOMZ alle zwei Jahre erneut an, während beim TRMNL keine wiederkehrenden Kosten entstehen.
Wo ROOMZ besser ist
Fairerweise muss man sagen: ROOMZ ist ein ausgereiftes Produkt. Die Touch-Buchung direkt am Display, die automatische Freigabe nicht genutzter Räume (Ghost-Meeting-Erkennung), die zentrale Verwaltung über ein Dashboard und die professionelle Analyse der Raumauslastung – das sind Features, die man mit einer DIY-Lösung nicht ohne Weiteres nachbaut.
Auch die Einrichtung ist bei ROOMZ deutlich schneller. Das Display wird an die Wand geklebt, per App ins WLAN eingebunden, und nach wenigen Minuten zeigt es Termine an. Beim DIY-Ansatz muss man sich mit YAML-Konfiguration, Template-Sensoren und Liquid-Markup auseinandersetzen.
Zudem hält die ROOMZ-Batterie rund zwei Jahre, während das TRMNL je nach Update-Intervall alle drei bis sechs Monate geladen werden muss. Das ist für ein Türschild in einem Bürogebäude weniger elegant als bei ROOMZ, aber in der Praxis gut handhabbar – das Gerät wird einfach per USB-C geladen.
Wer dutzende Räume zentral verwalten will und keinen IT-affinen Mitarbeiter hat, ist mit ROOMZ vermutlich besser bedient.
Für wen lohnt sich der DIY-Ansatz?
Die DIY-Lösung ist ideal für:
- Kleinere Betriebe und Vereine, die bereits Home Assistant nutzen
- Veranstaltungsorte, die ein Tagesprogramm am Eingang anzeigen wollen
- Technik-affine Anwender, die Spass an der Konfiguration haben
- Alle, die keine Cloud-Abhängigkeit und keine laufenden Kosten wollen
- Wer die volle Kontrolle über Darstellung und Daten behalten möchte
Ein zusätzlicher Vorteil des TRMNL: Die Plattform ist komplett Open Source. Sowohl die Firmware als auch die Server-Software können selbst gehostet werden. Wer also weder von ROOMZ noch von TRMNL abhängig sein will, kann das gesamte System lokal betreiben.
Fazit
Ein digitales Veranstaltungs-Display muss kein Vermögen kosten. Mit dem TRMNL und Home Assistant lässt sich für rund CHF 143 ein funktionales Display aufbauen, das Termine anzeigt, sich automatisch aktualisiert und vollständig unter eigener Kontrolle läuft – ohne Abo, ohne erzwungene Cloud-Anbindung.
Gegenüber dem reTerminal E1002, das ich zuvor eingesetzt hatte, löst das TRMNL das grösste Problem: Die Batterie hält. Und gegenüber dem ROOMZ Display spart man bei vergleichbarer Grundfunktion über 85% der Kosten.
Verwendete Komponenten:
TRMNL e-ink Display (ca. CHF 125), T
RMNL Developer Edition (einmalig ca. CHF 18),
Home Assistant (Open Source).
Stand: Februar 2026.