VOIP – Die neue Art zu telefonieren?
Oberflächlich betrachtet hat sich das Telefonieren seit seiner
Erfindung 1878 durch Edison nicht sehr verändert. Irgendwann wurde
die Kurbel durch eine Wählscheibe ersetzt, 1976 erfolgte die
Digitalisierung (ISDN) und fortan konnte bequem mittels Tasten gewählt
werden. Neue Aktualität hat das Thema durch die wie Pilze aus dem Boden
schiessenden, neuen Angeboten erhalten. Das Telefon hat sich von den
Leitungen der Swisscom befreit!
Die Grundlage dazu bilden neue Technologien, die durch die israelische
Firma Vocaltec entwickelt wurden. Diese Firma schaffte es 1995 erstmals,
dass von PC zu PC, über das Internet telefoniert werden konnte. Diese
Entwicklung verlief fast unbemerkt, da das Internet nicht über genügend
Kapazität verfügte, als dass Gespräche ohne Störungen und Unterbrechungen
möglich gewesen wären. Die Hersteller von Telefonzentralen erfreuten sich
weiterhin an den Umsätzen, die sie mit nicht zueinander kompatiblen
Einheiten und Apparaten machen konnten.
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In den folgenden Jahren nahmen sich dann aber verschiedene Hersteller,
wie Cisco oder Digium der Frage an, wie die Netzwerktechnologie auch für
die Telefonie genutzt werden könnte. Sie erkannten schnell das Potential,
welches entstehen könnte, wenn für die Telefonie keine eigene
Infrastruktur mehr notwendig wäre. Gleichzeitig begannen auch die
wichtigsten Normierungsgremien damit, Standards für die Telefonie über
Internet festzulegen. Im Vordergrund steht dabei in erster Linie die
International Telecommunication Union (ITU), welche die Kommunikation
zwischen Vermittlungsanlagen und den Endgeräten regelte, während sich
die Internet Engineering Task Force (IETF) der Frage annahm, wie die
Vermittlung der Gespräche über Internet erfolgen könnte.
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In der Folge wurde immer wieder vom grossen Durchbruch gesprochen! Die
meisten Angebote befriedigten aber nicht, so dass sich mit der Zeit
Ernüchterung und Enttäuschung breit machte. Lange zeit wurde es um das
Thema Internettelefonie recht ruhig. Plötzlich begann Cablecom damit,
ihren Abonnenten mit dem Fernsehanschluss gleich noch einen
Telefonanschluss anzubieten, andere Anbieter folgten den Angeboten auf
dem Fusse. Was war geschehen? Einer der Gründe war sicher, dass das
Internet in den letzten Jahren eine deutliche Kapazitätsausweitung
erfahren hatte. Gleichzeitig wurde aber ganz massiv an den
Kompressionstechniken, gearbeitet. Jedes Kind und auch schon viele
Erwachsene haben einen Walkman, mit welchem nicht nur CD's sondern auch
MP3- oder OGG-Vorbis Dateien abgespielt werden können. Diese basieren
darauf, dass akustische Signale (Sprache oder Musik) so in eine
digitale Form gebracht werden, dass dafür nur wenig Speicherplatz
benötigt wird. Auf die Telefonie übertragen bedeutet dies, dass für die
Übertragung der Sprache nur ganz wenig Bandbreite benötigt wird.
Aufgeteilt in kleine Datenpakete wird die Sprache vom Sender zum
Empfänger übertragen und auf der Gegenseite wieder in einen
kontinuierlichen Ton umgewandelt.
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Damit ist eine wichtige Grundlage für eine Telefonie über Internet
geschaffen. Weiter braucht es Geräte, die zwar wie Computer
funktionieren, aber wie ein Telefon aussehen. Zusätzlich werden
Systeme benötigt, welche die Gespräche über das Internet vermitteln
und wenn nötig, den Übergang in das normale Telefonnetz herstellen.
Dank der Verfügbarkeit von entsprechender Software erlebt die
Internettelefonie im Moment ein wahrer Boom. Ein wichtiger Vertreter
ist die freie Software Asterisk. Asterisk ist eine komplette
Telefonanlage (PBX) in Software-Form. Das Programm läuft unter
Linux und bietet alle Funktionen, die man von einer Telefonanlage
erwartet. Asterisk beherrscht verschiedene Voice over IP Protokolle,
und arbeitet mit gängiger Telefoniehardware zusammen. Dadurch wird
der Aufbau einer Telefonanlage auf Basis von relativ günstiger
Hardware (Personalcomputer) möglich.
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Viele Vorteile sprechen für den Einsatz einer Softwarezentrale.
Neben der Tatsache, dass die Informatikinfrastruktur auch zum
Telefonieren verwendet werden kann, eröffnen sich neue Möglichkeiten,
wie die Verbindung von geschäftskritischen Anwendungen mit der
Telefonie (z.B. ein Kunde ruft an und sein Dossier wird gleich
geöffnet). Interessant ist auch die Möglichkeit, Zentralen verschiedener
Firmenstandorten über Internetverbindungen zu koppeln. Damit werden
Anwendungen möglich, wie sie mit dem früheren Swisscomangebot
Centrex (virtuelle Telefonzentrale) möglich waren.
Neben den üblichen Funktionen einer Telefonzentrale bietet die unter
Linux laufende Software alle gängigen Funktionen einer normalen
Vermittlungszentrale. Asterisk steht bereits in vielen Hochschulen und
Organisationen (z.B. Stadtveraltung von Pforzheim) im Einsatz. Als
Beweis, dass IP-Telefonie wirklich Fuss fasst, kann daran gemessen
werden, dass Cisco im Vorjahr bereits 2 Mio. IP-Telefone verkaufen
konnte. Es zeichnet sich ab, dass Informatikerinnen und Informatiker
demnächst wieder die Schulbank drücken müssen, um die Grundlagen der
Telefonie zu erlernen.
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